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Andi Bäuerlein und seine Schweinfurter kommen nicht auf die Beine © Micha Horling
11. Spieltag - 10.09.2011 15:00 - 1. FC Schweinfurt 05 - SV Seligenporten 2:2Remis in SchweinfurtFC Schweinfurt 05 und SV Seligenporten trennen sich 2:2 unentschieden
"Halt dein Maul, Du Arsch!" Diese Worte sind´s, die den Anhang des FC 05 seit Samstag bewegen. Natürlich mag Klaus Scheer die "Raus"-Rufe gegen ihn rund um das 2:2 gegen Seligenporten nicht verstanden haben. Freilich kann die Forderung aus dem Block nach der Ablösung des Trainers nicht unbedingt hilfreich sein für die Mannschaft der Schnüdel. Doch der 60-Jährige leistete sich auf dem Weg zur Pressekonferenz im V.I.P.-Zelt einen absolut unverzeilichen Ausrutscher und beleidigte mit den eingangs geschilderten Worten ein paar wenige Fans, die auch nach dem Abpfiff noch Scheer als Hauptverantwortlichen für den schlechten Schweinfurter Saisonstart sehen. Allenorts würde so ein verbaler Ausrutscher Konsequenzen haben. Beim FC 05 aber scheinen die Verantwortlichen Scheer zum einen weiter zu vertrauen, dass er die Talfahrt stoppen kann. Und sie scheinen machtlos auch über die Entwicklung hinwegzusehen. Der Samstagnachmittag verlief mal wieder höchst kompliziert. Die Grün-Weißen, für zwei durchschnittliche 4:0-Siege zuvor im Pokal bei unterklassigen Gegnern völlig zu Unrecht von der lokalen Tageszeitung über den grünen Klee gelobt, legten los, als ob das Team selbst den Kopf des Coaches fordern würde. Bei Dominik Stolzs frühem Schuss zum 0:1 machte Keeper Andi Bäuerlein einen gravierenden Fehler, bei Bernd Resinger 0:2 schlief die Abwehr und hatte der Fanblock gerade eine Transparent-Botschaft dringlichster Deutlichkeit empor gehalten: "Alle rennen aus dem brennenden Haus, nur Klaus der schaut raus", war da zu lesen, "Klaus" und "raus" eingefärbt, was letztlich den Gemeinten, Profitrainer Scheer, zu hart traf. "Ich verstehe die Welt nicht, wenn die Fans den Rauswurf des Trainers fordern und nicht die Mannschaft anfeuern", haderte Scheer hinterher und mag im Prinzip damit freilich Recht haben. Nur: Die "Raus"-Rufe ebbten während der Partie nicht mehr ab, die Entgleisung hinterher werden alles andere als eine Beruhigung bewirken. Auch wenn das Team des FC 05 nach ganz objektiv grottenschlechten 30 Minuten zurück kam. Florian Hetzel lief alleine auf den parierenden Schlussmann Dominik Brunnhübner zu (31.) und hätte da schon das 1:2 machen können, das kurz vor der Pause Wojtek Droszcz gelang mit einem Flachschuss ins lange Eck. Droszcz rackerte, war hinten wie vorne zu finden, der beste Mann auf dem Platz als anfangs einzige Spitze, später unterstützt von Cristian Dan (der frühzeitig für Timo Pitter kam) und von Simon Häcker. Wonach selbst der Trainer erkannte, dass ein zweiter Stürmer wichtig sein kann. "Das erste Gegentor darf so natürlich nicht fallen. Nach dem 0:2 war´s eine gute Leistung von uns. Wir haben gezeigt, dass wir es können. Irgendwann kommt der Durchbruch, daran arbeiten wir", sagte Droszcz hinterher und drückte damit das aus, was eigentlich alle Mann im Kader meinen: Es klappt gut mit Klaus Scheer, am Trainer liegt´s nicht, dass der FC 05 mit acht Punkten aus zehn Partien derzeit Kurs schnurstracks in die bald fünftklassige Bayernliga Nord fährt. Aber woran liegt es dann? "Wir haben nach dem 0:2 gefightet, nie aufgegeben. Das Einzige, was heute nicht stimmte, das war das Ergebnis. Wir haben halt nicht das nötige Glück und Selbstbewusstsein", mag Scheers Schilderung übertrieben klingen. Zumal erst Florian Hetzels Gewaltschuss sechs Minuten vior dem Ende das 2:2 bedeutete. Drei halbe Chancen hatten die Schweinfurter zuvor, durch Dans Kopfball danach sogar noch - kurios, kurios - die Gelegenheit zum Dreier. Als Bastian Weiß kurz nach der Pause alleine vor und an Andi Bäuerlein schieiterte, machte der seinen Anfangsfehler wieder gut und bewahrte die Hausherren vor allem drohenden Übel. Bei einer Niederlage wäre Klaus Scheer wohl nicht mehr zu halten gewesen, nach dem 2:2 darf er in Eltzersdorf kommenden Freitagabend unter Flitlicht auf die Wende hoffen. Auch wenn Sätze wie "Wir sind in der Lage, überall zu gewinnen!" und "Im Grunde haben wir nach dem 0:2-Rückstand ja wieder gewonnen" eher wie Durchhalteparolen klingen. "Wir freuen uns über den einen Punkt und trauern dem nach, was möglich gewesen wäre", sah Karsten Wettberg als Trainer biederer Seligenportener drei Zähler im Bereich des Möglichen und bewertete den Gegner anhand seines Kaders. Qualität saß beim FC 05 bis zuletzt auf der Bank, wobei Wetberg damit nicht Neuzugang Lucas Grundei meinte, der nach zwei Wochen schon wieder nicht mehr der große Hoffnungsbringer ist, sondern eher Sebastian Kneißl, nun endgültig wohl mit der Rolle als Dauer-Reservist. Zumal mit Mirza Mekic und Fazdel Tahir zwei Verletzte wieder ins Training einsteigen und wohl schon in Eltersdorf Alternativen sein werden. Bei sieben Punkten Rückstand zum Regionalliga-Qualiplatz mus beim Neuling der Knoten einfach platzen. Was denken die Verantwortlichen? Die Vorstandschaft saß bei Klaus Scheers verbaler Entgleisung bereits im Zelt und bekam davon nichts mit. Markus Wolf indes, erster und starker Mann im Verein, registrierte sehr wohl das schwache Auftreten vor der Pause. Er war in Fuchsstadt und Friesen dabei, sah, dass jeweils das klare Resultat einige bis zahlreiche Mängel verdeckte. Bis Freitag und Eltersdorf wird wohl nichts passieren. Via Internet deuteten aber die beinharten Fans bereits an, dass die Protestaktionen in die nächste Runde gehen. Mit seinen Äußerungen hat Klaus Scheer der Kritik an ihm, immerhin einem Profitrainer, keinerlei Wind aus den Segeln genommen. Und acht Punkte nach zehn Partien, verbunden mit dem vorletzten Platz, sind derzeit auch wirklich verdammt wenige Argumente für Ruhe auf den Rängen."Halt dein Maul, du Arsch!" - an diesen Worte werden die Mitreisenden den Coach und die Leistung der Truppe am kommenden Freitag messen, wenn nach Eltersdorf bei Erlangen ab 17.30 Uhr ein Fanbus eingesetzt werden soll. Anmeldungen sind unter der Mailadresse szene1905@yahoo.de möglich.mh
Schiedsrichter Ferdinand Friedrich (MSV München)
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